Als ich heute im Gym meine 200 Watt gestrampelt habe, da gab ich mir diesmal keine Beats auf die Ohren, sondern einen tiefgründigen und auch etwas melancholischen Vortrag über den Einfluss digitaler Technologien und Künstlicher Intelligenz auf die Demokratie.
Professor Ziad Mahayni versucht uns in seinem Vortrag aus unserer Alltagswahrnehmung wachzurütteln und unseren Fokus von der täglichen politischen Empörung auf technologische Veränderungen unserer Zeit zu lenken. Die gegenwärtig wahrgenommene Krise der Demokratie ist mehr als ein vorübergehendes Problem. Sie kann nicht einfach durch "mehr miteinander reden" oder Faktenchecks gelöst werden. Vielmehr wird die Demokratie gerade von innen heraus verändert und in ein neues System überführt: eine Mischung aus Ochlokratie (desinformierten Massen) und technologischem Autoritarismus.
Die Gesellschaftsform Demokratie hat ein Problem: sie ist strukturell bedingt langsam, weil sie uns und den Konsens in den Mittelpunkt stellt. Es geht schließlich um ein gutes und friedliches Miteinander. Der von KI befeuerte techno-kapitalistische Motor ist dazu im Vergleich rasend schnell, wodurch die Demokratie in den Augen von Tech-Eliten wie Peter Thiel als Bremse wahrgenommen wird. Von ihm stammt dieser Satz: "I no longer believe that freedom and democracy are compatible".
Das Internet, wie wir es vor wenigen Jahren noch kannten, existiert heute schlicht nicht mehr. Eine Schätzung geht davon aus, dass das Internet im Jahr 2025 bereits zu 90% aus KI-generierten Inhalten bestand. In einer Demokratie sind wir aber darauf angewiesen, dass wir über gemeinsame Fakten diskutieren und darauf aufbauend Kompromisse finden können. Wenn wir nicht mehr unterscheiden können, was Realität und was Fiktion ist, funktioniert das nicht mehr. Wenn jede Person ihre eigene "Wahrheit" in ihrer eigenen Informationsblase bestätigt sieht, wird es fast unmöglich, vernünftig zu diskutieren. Man redet dann aneinander vorbei, die Gesellschaft spaltet sich.