Vor gut einem Jahr schrieb ich im Artikel Ade, Gedankenwirrwarr darüber, wie ich meine Ziele, Projekte und Aufgaben mit Logseq im Blick behalte. Logseq war für mich lange eine eierlegende Wollmilchsau: Aufgabenverwaltung, Markdown, Plugins, Whiteboards, Karteikarten, Zotero-Anbindung, PDF-Anmerkungen. Alles in einer App, alle Daten lokal in Textdateien. Doch es wird nicht mehr weiterentwickelt.
Das dateibasierte Logseq, das ich seit Jahren nutze, wird offiziell nicht mehr weiterentwickelt. Das Team hat es in den Wartungsmodus versetzt. Es gibt nur noch Sicherheits-Patches und Kompatibilitäts-Updates, aber keine neuen Funktionen mehr. Die gesamte Energie fließt in die neue Datenbank-Version. Und die hat noch einige Probleme. Die DB-Version läuft als Alpha/Beta und gilt in der Community als eher instabil. Es gibt Berichte über Abstürze und Datenverlust.
Außerdem sind die Markdown-Dateien nicht mehr die Quelle des Graphen. In der DB-Version ist die Datenbank (SQLite) die neue Datenquelle. Ein Markdown-Export ist zwar weiterhin möglich, doch es ist ein Extra-Schritt und direkte Änderungen an den Markdown-Dateien werden nicht automatisch in die Datenbank zurück synchronisiert. Genau das, was Logseq für mich so wertvoll gemacht hat, geht damit verloren. Die volle Kontrolle über meine Daten in einfachen Textdateien. Auch lässt sich eine Datenbank mit Syncthing nicht so unkompliziert synchronisieren wie einzelne Dateien. Die DB-Version verspricht zwar mehr Geschwindigkeit, doch Datenkontrolle, Synchronisation und Stabilität leiden darunter.
Tine ist ein Desktop-Outliner, der optisch und haptisch stark an Logseq erinnert und die Dateien auch problemlos liest. Ich habe Tine einfach auf meinen bestehenden Graphen zeigen lassen und es funktionierte auf Anhieb. Es gibt keinen Import- oder Export-Schritt. Die Dateien werden in Logseq-kompatiblem Markdown zurückgeschrieben. Und weil die Daten weiterhin als flache Markdown-Dateien vorliegen, funktioniert mein bewährtes Syncthing-Setup unverändert weiter.
Ein Detail soll hier nicht unerwähnt bleiben: Tine ist vibe-coded. Das Projekt macht daraus auch keinen Hehl:
Tine is vibe-coded — built by Claude Code, with help from Codex, under human direction and review.
Was Tine schon kann:
- Outlining – verschachteln, falten, zoomen, Blöcke verschieben, keyboard-first
- Block-Referenzen und Embeds –
((ref))und{{embed}}, inklusive stabilerid::-Vergabe - Seiten- und Block-Properties – im selben
key:: value-Format wie Logseq - Formatierung – fett, kursiv, durchgestrichen, Highlight, Inline-Code, sogar rohes Inline-HTML (sicher bereinigt)
- Inhalte – Überschriften, Listen, Tabellen, LaTeX-Mathe (KaTeX), Bilder, Videos, Callouts
- Aufgaben – TODO/DOING/LATER/DONE, Prioritäten, SCHEDULED/DEADLINE mit Wiederholungen, Logbook-Zeiterfassung
- Journals, Seiten, Links – Tagesnotizen, Tags, Namespaces, Aliase, verknüpfte und unverknüpfte Referenzen, Favoriten
- Queries – die alltäglichen Abfragen wie
{{query (and (task TODO) (priority A))}}funktionieren
Was Tine noch fehlt:
Die größte sichtbare Lücke ist die noch nicht vorhandene Graph-Ansicht (die grafische Node-Link-Darstellung). Sie ist aber bereits in Arbeit. Auch fortgeschrittene Queries werden noch nicht vollständig unterstützt. Tine wurde primär für Linux entwickelt und ist dort am besten getestet.